Do

24

Aug

2017

Eutonie im Sitzen: sich ausbalancieren

 

Wie sitzen Sie am liebsten?


Lehnen Sie sich an und schlagen die Beine übereinander?
Suchen Sie nun den für Sie bequemsten Sitz und bleiben eine Weile darin.
Was möchten Sie verändern?

 

Rücken Sie nun so weit vor, dass beide Füße sich am Boden abstellen können.

Verlagern sie ihr Gewicht mal auf die eine, mal auf die andere Pobacke

und forschen Sie nach den Sitzbeinen.

 

Wenn Sie Ihre Hand unter die entlastete Gesäßseite schieben und ihr Gewicht in die Hand lassen, können Sie die Höckerform der Sitzknochen fühlen.

 

 

Legen Sie danach die Hände bequem auf den Oberschenkeln ab.

 

Nun lassen Sie ihr Becken hinter die Sitzbeinhöcker rollen und halten inne: Wie fühlt sich der Rücken an? Lassen Sie sich „hängen“.

 

Dann drücken Sie die Sitzknochen gegen die Stuhlfläche und rollen langsam auf die Höhe der Rundungen, ein wenig davor und wieder dahin zurück.

 

Wie wirkt sich diese kleine Aktivität durch ihre Wirbelsäule bis zum Kopf aus?

 

Geben das Gewicht über Ihre Knochenstruktur zum Stuhl ab. Sie brauchen sich nicht „gerade“ zu halten. Nehmen Sie stattdessen das Rollen um die Sitzbeinhöcker als kleines Spiel immer wieder auf und balancieren Sie sich am Ende in einer winzigen Bewegung auf den Rundungen der Sitzbeinhöcker aus.

 

 

Traude Weindl, Renate Riese

 

(Bild: pixabay, falco)

Sa

27

Mai

2017

Eutonie für die Füße – die Basis für unsere Aufrichtung

Eine Anleitung für das Üben in Stehen

Nehmen Sie im Gehen Ihre Füße wahr. Wie rollen die Füße am Boden ab?


Bleiben Sie stehen. Spüren Sie, wie Sie Ihr Gewicht auf den Füßen verteilt haben. Geben Sie mal dem rechten, mal dem linken Fuß mehr Gewicht, bis Sie sich wieder in der Mitte einschwingen und beide Füße gleichermaßen belastet sind.

 

Prüfen Sie, ob Sie mehr auf den Fersen oder mehr auf den Vorfüßen stehen. Dazu verlagern Sie das Gewicht ein wenig vor und zurück, gerade so viel, dass beide Füße in ihrer ganzen Länge sicher am Boden stehen bleiben können. 

Wie balanciert sich Ihr Becken über den Füßen aus?

 

Stellen Sie Ihren linken Fuß leicht auf einen Tennisball und bewegen ihn am Boden. Was fühlen Sie durch den Ball von den Rundungen Ihres Fußes? Stellen Sie nun Ihre Ferse mittig auf dem Ball ab, die Zehen und Zehenballen finden einen sicheren Platz am Boden.

 

Steigen Sie dann auf den Ball wie auf eine kleine Stufe. Wie verändert sich dadurch die Form des Tennisballs?

Was geschieht in Ihrem Bein? Wie richtet sich der ganze Körper über diesem Bein und Fuß aus? Richten Sie beim nochmaligen Aufsteigen Ihren Scheitelpunkt zur Decke aus.


Nun rollen Sie den Ball über den Mittelfuß nach vorne zu den Zehenballen und stellen Ihren Vorfuß darauf ab;
die linke Ferse befindet sich am Boden, das ganze Gewicht ruht auf dem rechten Fuß.
Verlagern Sie etwas Gewicht auf den linken Fuß wie kann sich der Fuß dadurch passiv ausbreiten?
Was geschieht mit der Achillessehne, wenn Sie ihre Ferse am Boden belassen?

 

Stellen Sie beide Füße nebeneinander und vergleichen Sie Ihre Füße und die beiden Körperseiten.
Bearbeiten Sie den anderen Fuß in ähnlicher Weise. Gehen Sie ein paar Schritte mit dem Bewusstsein für Ihre Füße:
Wie erleben Sie das Abrollen am Boden? Und wie stehen Sie jetzt?

 

Text: Traude Weindl und Renate Riese www.eutonie-freiburg.de / www.eutonie-bremen.de / www.eutonie.de

Di

23

Mai

2017

Selbstwirksamkeit und Selbstfürsorge

Selbstwirksamkeitserfahrung und Selbstfürsorge mit Eutonie

Selbstwirksamkeit ist ein Begriff aus der psychologischen Forschung. 

Eutonie vermittelt uns unmittelbare Erfahrungen von Selbstwirksamkeit auf der 

körperlichen Ebene, die sich auf der psychischen Ebene widerspiegeln. 

Aus dem Grunde bezeichnen wir Eutonie als ein somatopsychisches Verfahren. 

 

„Selbstwirksamkeit stärkt den Mut, den wir brauchen, um mit der eigenen 

Angst umzugehen.“ (Michael Gleich)  

 

Die Fähigkeit der Selbstfürsorge wird in der Stressforschung als ein entscheidender 

Faktor für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen angesehen.  

Welche Voraussetzung braucht es, damit wir gut für uns sorgen lernen und auch für 

andere sorgen können? 

 

„…das Spielen mit Dingen, mit Worten, mit Perspektiven heißt immer auch, 

etwas mit immer anderen Augen sehen zu lernen. Der Wechsel der 

Perspektiven ist eine unabdingbare Voraussetzung für unsere Selbstfürsorge.“ 

(Eckhard Schiffer) 

0 Kommentare

Fr

11

Nov

2016

Salutogenese - Schatzsuche statt Fehlerfahndung

Eutonie, ein salutogenetisch orientiertes Verfahren

Wie entsteht Gesundheit? (salus: Gesundheit, Wohlbefinden; genese: Entstehung)

 

Mit dieser Frage betrat der Medizinsoziologe und Gesundheitsforscher Aaron Antonovsky (1923-1994) in den 1970er Jahren weitgehendes Neuland. Er verstand sein Konzept als Ergänzung zur vorherrschenden Pathogenese  (Wissenschaft von der Entstehung von Krankheit) und regte damit neue Forschungsansätze und Kooperationen zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen an.  

 

Warum kommen Menschen mit großen Belastungen gut zurecht, andere nicht?  Allgegenwärtige Reize aus der inneren und äußeren Umgebung, so genannte Stressoren, erzeugen Spannungen, die verarbeitet werden müssen.  Der salutogenetische Ansatz fragt nach den Möglichkeiten der  Spannungsverarbeitung: Wie kann man Spannung abbauen und ihre Umwandlung in dauerhaften Stress verhindern?

 

Antonovsky betrachtet Gesundheit und Krankheit als zwei Pole eines fließenden Kontinuums. Jeder Mensch bewegt sich im Laufe seines Lebens zwischen diesen Polen.  Der salutogenetische Ansatz fragt nach den Faktoren, die zu einer Bewegung in Richtung auf den gesunden Pol beitragen.  Er sucht nach den Quellen, die eine aktive Anpassung des Organismus an seine Umgebung erleichtern.  Er richtet seine Aufmerksamkeit auf den Menschen (nicht den „Patienten“) mit seiner Lebensgeschichte in seinem soziokulturellen Umfeld.

 

Das Konzept des Kohärenzgefühls (Sense Of Coherence = SOC)

 

Als Antwort auf die Fragen zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit formuliert Antonovsky das SOC mit den drei Bestandteilen:

 

1. Verstehbarkeit + 2. Handhabbarkeit + 3. Bedeutsamkeit.

 

Er definiert es so:

„Das SOC (Kohärenzgefühl) ist eine globale Orientierung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß man ein durchdringendes, andauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, dass

 

1. die Stimuli, die sich im Verlauf des Lebens aus der inneren und äußeren 
    Umgebung ergeben, strukturiert, vorhersehbar und erklärbar sind;

 

2. einem die Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Anforderungen, die diese

    Stimuli stellen, zu begegnen;

 

3. diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Anstrengung und Engagement

    lohnen.“ *

 

Antonovskys Hypothese lautet: Die Stärke des Kohärenzgefühls hat direkte körperliche Konsequenzen und beeinflusst dadurch den Gesundheitsstatus.

 

Sie ist in verschiedenen zentralen Lebensbereichen entscheidend für die Bewältigung schwieriger Lebenssituationen und damit auch für den Erhalt der Gesundheit.

 

EUTONIE – ein salutogenetisch orientiertes Verfahren

Durch bewusste Wahrnehmung nehmen Eutonie-Praktizierende  d i r e k t e n Einfluss auf Körperprozesse und damit auf ihren Gesundheitsstatus.  Inwieweit der körperliche Ansatz der Eutonie sich auch auf emotionale und mentale Vorgänge auswirkt, ist zwar wissenschaftlich (noch) nicht erforscht, empirisch aber zu belegen.  Im Folgenden wird dargestellt, wie Eutonie das Kohärenzgefühl stärkt und so auch auf diesem „Umweg“ Einfluss auf den Gesundheitsstatus nimmt.  

 

Antonovskys Konzept des Kohärenzgefühls mit seinen 3 Teilkomponenten lässt sich in der Praxis der Eutonie wiederfinden:

 

1. Verstehbarkeit:

 

Die Erforschung von Körperstrukturen und -Funktionen am eigenen Leibe macht Zusammenhänge begreifbar. Der Organismus kann als ein strukturiertes, sinnvolles Ganzes in Bezug zur Außenwelt erfahren werden. Er verarbeitet interne und externe Erfahrungen und schafft sich so seine eigene geordnete Realität. Eutonie wirkt stabilisierend und ordnend, z.B. in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Skelett, mit dem Boden, mit Gewicht und Schwerkraft.   

 

2. Handhabbarkeit

 

Eutonie weckt die Empfindungsfähigkeit und damit das Bewusstsein für Spannungsunterschiede. Eutonie-Praktizierende erfahren sich als selbstwirksam.  Sie bekommen Mittel aufgezeigt, wie sie Spannungen ausgleichen und anhaltenden

Stress verhindern bzw. abbauen können. So wächst das Vertrauen in die Fähigkeit, den Anforderungen des Lebens zu begegnen und Aufgaben zu bewältigen.

 

3. Bedeutsamkeit

 

Mit ihrem körperlichen Ansatz öffnet Eutonie die Tür zu den eigenen Gefühlen.  Eutonie-Praktizierende finden (wieder) Zugang zu sich selbst. Sie erleben sich mit ihren Stärken und Schwächen im sozialen Raum. Sie erproben neue Möglichkeiten des Umgangs mit sich und Anderen. Ein Gefühl der Verbundenheit mit allem kann sich einstellen und mit ihm die Fähigkeit, den Sinn des Daseins und den Zusammenhang mit der Welt wieder zu finden.  

 

 Literatur:

 Alexander, Gerda: Eutonie – Ein Weg der körperlichen Selbsterfahrung, Huber 2012, 10. Auflage

 * Antonovsky, Aaron, Salutogenese – Zur Entmystifizierung der Gesundheit, Tübingen 1997

Storch, Maja, Das Zürcher Ressourcenmodell ZRM, www.zrm.ch

 

  

Renate Riese, Eutonie Akademie Bremen, Oktober 2016

0 Kommentare

Di

01

Nov

2016

Eutonie als Selbsthilfe - eine Ermutigung

Rückblick auf den Tageskurs am 29.10.2016

 3 Leitfragen haben uns in diesem Kurs beschäftigt:

 

  1. Was stärkt mich? Wie kann ich meine Regenerationskräfte mobilisieren?
  2. Was hilft mir in Zeiten von Schwäche und Krankheit?
  3. Gibt es einen konstruktiven Umgang mit den (körperlichen und seelischen) Erscheinungen des Alterns?

 

Eutonie ist ein salutogenetisch orientiertes Verfahren (Salutogenese = Wissenschaft von der Entstehung von Gesundheit). Sie schlägt uns kein Programm vor, um Krankheiten, Schmerzen, Einschränkungen zu vermeiden oder zu bekämpfen

(pathogenetischer Ansatz). Sie ersetzt auch nicht notwendige Arztbesuche oder Therapien.

 

Eutonie macht uns mit dem Gedanken vertraut, dass wir direkten Einfluss auf unseren Spannungszustand und damit auf unseren Gesundheitstatus nehmen können.

Hier geht es um aufmerksame Hinwendung zum körperlichen Geschehen: Entwicklungen begleiten, sich Unterstützung holen, sich ermutigen, neue Bewegungsmöglichkeiten ausprobieren und dabei entdecken, dass es immer noch Möglichkeiten gibt…

Das stärkt das Selbst-Vertrauen, das wir in Zeiten von Krisen brauchen.

 

Mögliche Antworten auf die 3 Leitfragen:

1. Aufmerksame, bewusste Berührung / passiver Druck mit unterschiedlichen Materialien;  

    dosierter Krafteinsatz gegen den Boden, gegen die Wand oder die eigenen Hände, die

    einen entsprechenden Widerstand bieten.

    Bodenkontakt: Auflageflächen erspüren, Gewicht dorthin abgeben, den Druck gegen das

    eigene Gewicht wirken lassen …

2. Ruhe, Zeit für sich, Selbstfürsorge: z.B. Hand/Hände  gezielt auf bedürftige Stellen legen

    sich in das Gewebe einspüren und dort verweilen; die Hände „öffnen“, bereit

    aufzunehmen, was das Gewebe ihnen mitteilen möchte = sich mit sich verbinden;

    Sich befragen: Was brauche ich; sich erinnern: Was hat mir schon mal gut getan,

    geholfen? (Der ganze Körper erinnert sich, nicht nur der Kopf.)

3. Die Richtung des Denkens ändern: Statt: „Ich hab`s wieder nicht geschafft“ – „Ich hab

    keine Zeit“ – „Ich bin so undiszipliniert“ – „Ich sollte mal wieder…“ – „Ich wollte, aber

    dann geschah das und das…“ Lieber: Was wünsche ich mir? Wie kann ich mich selber

    darin unterstützen, meinen Zielen/Wünschen näher zu kommen? Oder wo kann ich mir

    Unterstützung holen? Neugierig bleiben, sich neuen Erfahrungen „aussetzen“. Sich mit

    Anderen für bestimmte Ziele/Projekte zusammenschließen und sich über die Ergebnisse

    austauschen. Annehmen, was nicht zu ändern ist, möglich machen, was geht!!!

 

Renate Riese

0 Kommentare