Über das 1. Symposium der Eutonie-Akademie Bremen

Verborgene Schätze heben
das haben sich rund 30 TeilnehmerInnen vorgenommen, die zum Symposium der Eutonie-Akademie Bremen
„Schatzsuche statt Fehlerfahndung“ – 
Eutonie als salutogenetischer Weg nach Vechta gekommen waren.

 

Die Referentinnen und Organisatorinnen, fünf Eutoniepädagoginnen und
eine Psychotherapeutin, hatten mit einem Zitat aus der Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation einen weiten Rahmen gesteckt, der das Symposium eröffnete:

 

Gesundheit: ein möglichst selbstbestimmter „Prozess“;

Gesundheit: ein „wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens“;

Gesundheit: „umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden“

Diese drei Aspekte – körperlich, seelisch, sozial – wurden in den praxisorientierten Workshops aufgegriffen.

 

Selbstfürsorge mit Eutonie - bevor wir ausbrennen

Im Workshop „Selbstfürsorge mit Eutonie – bevor wir ausbrennen“ ging es darum, sich selbst und die eigenen Grenzen konkret zu spüren, eine unabdingbare Voraussetzung für die Arbeit in sozialen Berufen. Martina Kreß, Eutoniepädagogin aus Bremen, konfrontierte die TeilnehmerInnen mit der Frage: (Wie) nehmt ihr euch selber wahr, während ihr euch einer anderen Person zuwendet und ihren Rücken mit einem Ball berührt? Diese einfache und grundlegende Selbst- und Beziehungserfahrung steht im Zentrum der Eutonie Gerda Alexander ®. 

Eutonie als Türöffner - Zugang zu sich finden

Einblick in ein spezielles Arbeitsfeld gab es am nächsten Tag: Bernadette Waas, Eutoniepädagogin aus Bremen, stellte eine Eutoniestunde aus ihrer Arbeit im „Ameos-Klinikum Dr. Heines“ in Bremen, Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, vor. Im Anschluss daran interviewte sie eine Betroffene, für die sich „Eutonie als Türöffner: Zugang zu sich finden“, so der Titel des Workshops, bewahrheitet hatte – ein bewegendes, sehr persönliches Zeugnis für einen langen salutogenetischen Entwicklungsweg mit Eutonie. Hier konnten verborgene Schätze gehoben werden. Davon war am Abend der Begegnung jede/r überzeugt, als die ehemalige Patientin mit ihrem Partner als Gesangsduo auftrat: kraft- und humorvoll, selbstbewusst und sensibel, und am Ende alle zum Tanzen und Singen brachte – Überraschung und festlicher Höhepunkt des Symposiums.

Eutonie als Sprachrohr der Seele

Frauke Besuden, Psychotherapeutin aus Bremen, hat in Zusammenarbeit mit KollegInnen an einer psychiatrischen Klinik in Bad Neustadt die `körperbezogene Psychotherapie` entwickelt. 1970 lernte sie die Eutonie durch ihre Gründerin Gerda Alexander kennen. Diese Arbeit  wurde ein entscheidendes Mittel im Rahmen psychotherapeutischer Prozesse in der Klinik.

Der Vortrag*  „Der Körper als Sprachrohr der Seele“ zeigte auf, wie Patienten durch Körperbildzeichnungen therapeutisch an unbewusste leidvolle Erfahrungen herangeführt wurden und unbewusstes Geschehen entschlüsselt werden konnte.*

Das Körperbild definierte Frauke Besuden als „ein inneres Modell, das der Mensch von seinem Körper hat und das als Matrix für seine Körperwahrnehmung, sein Körpererleben, seine Vorstellung vom Körper und seinen Umgang mit dem Körper gilt.“ Das Körperbild ist einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen. Es weist auf die Beziehung des Ich zu seinem Körper hin und enthält bewusste wie auch unbewusste Anteile. 

* Den Vortrag „Der Körper als Sprachrohr der Seele“ von Frauke Besuden finden Sie als PDF-Datei zum Herunterladen hier.

Was macht mein Körperbild mit mir - und was mache ich mit ihm?

Um das Körperbild ging es auch im letzten Workshop „Was macht mein Körperbild mit mir und was mache ich mit ihm?“ mit Cornelia Sachs, Eutoniepädagogin aus Wertheim. Sie hatte die TeilnehmerInnen schon zu Beginn des Symposiums eingeladen, still für sich zwei Körperzeichnungen anzufertigen, die erste mit der ungeübten, die zweite mit der geübten Hand. Nach der eutonischen Arbeit mit Berührung und Innenraum im Workshop hatten alle die Gelegenheit, nochmals ihren Körper mit linker und rechter Hand zu zeichnen. Jede/r konnte dann die eigenen Bilder betrachten, vergleichen und sich dazu Notizen machen – ein Selbstversuch und erstes Kennenlernen, wie man durch Zeichnen des eigenen Körpers Botschaften über das (unbewusste) Körperbild erhalten kann und was das Üben mit Eutonie verändert.

Wege entstehen im Gehen - ein soziales Gruppenexperiment in Bewegung

Dynamisch ging es am Tag vorher zu im Workshop „Wege entstehen im Gehen – ein soziales Gruppenexperiment in Bewegung“ mit Barbara Göger, Eutoniepädagogin aus Tübingen, und Renate Riese, Eutoniepädagogin aus Bremen. Nachdem die Füße geweckt waren, erkundeten die TeilnehmerInnen zwei alltägliche menschliche Bewegungsarten: das Stehen als Ankommen und Verweilen an einem Ort und das Gehen als dynamische Fortbewegung im Raum. Verschiedene experimentelle Aufgaben konfrontierten die TeilnehmerInnen mit immer neuen Situationen und Konstellationen: z.B. als Einzelne mit widersprüchlichen Zielen in einer Menge unterwegs zu sein, sich zu zweit mit nonverbaler Kommunikation gegenüber zu sitzen oder sich als Gruppe in gemeinsamer Bewegung einer anderen Gruppe anzunähern – Herausforderungen, die viel Stoff für Gespräche bargen.

Im Abschlussgespräch wurde deutlich: So mancher Schatz konnte gehoben und benannt werden.

Offene Fragen und kritische Anmerkungen sowie Zustimmung und Anregungen für ein nächstes Symposium, das „Weiter so!“, nahmen die Referentinnen gerne mit nach Hause.

 

Inspirierend für Alle waren die wertschätzenden, kollegialen Begegnungen, der offene Raum für Erfahrungen mit sich und Anderen in der praktischen Arbeit und der rege Austausch untereinander. 

 

Renate Riese, 

Eutonie-Akademie Bremen